Was sind biodynamische Präparate?
Biodynamische Präparate sind das Herzstück der biodynamischen Landwirtschaft. Es handelt sich um eine Reihe von Substanzen, die aus mineralischen, pflanzlichen und tierischen Ausgangsstoffen nach festen Rezepturen hergestellt und in sehr kleinen Mengen — stark verdünnt — auf Boden, Pflanzen und Kompost ausgebracht werden. Sie düngen nicht im üblichen Sinn, sondern sollen Wachstums- und Rotteprozesse lenken und ordnen.
Nummeriert werden sie von 500 bis 508. Diese Zählung stammt aus dem Jahr 1928 und hat sich als praktisches Kürzel international durchgesetzt.
Spritzpräparate und Kompostpräparate
Der Kanon umfasst neun Präparate, die sich in drei Gruppen ordnen lassen:
Die beiden Feldspritzpräparate werden in Wasser gerührt und versprüht: Hornmist 500 (500) wirkt über den Boden und die Wurzel, Hornkiesel 501 (501) über Licht und Reife. Sie bilden ein Gegensatzpaar.
Die sechs Kompostpräparate (502–507) werden in den Kompost eingebracht und steuern die Rotte: Schafgarbe (502), Kamille (503), Brennnessel (504), Eichenrinde (505), Löwenzahn (506) und Baldrian (507).
Hinzu kommt der Ackerschachtelhalm (508), der als Tee oder Brühe gegen Pilzdruck eingesetzt wird und im engeren Sinn kein „Präparat", aber fester Teil der Praxis ist.
Wie wirken die Präparate?
Aus biodynamischer Sicht öffnen die Präparate Boden und Pflanze für, wie es die Demeter-Richtlinie formuliert, „die kosmischen und geistigen Kräfte" und tragen so zur Entwicklung von Boden, Pflanzen und Tieren bei (Demeter-Richtlinie 2026, Kap. II.2.4). Vor dem Ausbringen werden die Spritzpräparate eine Stunde lang rhythmisch gerührt — das Dynamisieren.
Herkunft und Kontext
Auch die Präparate gehen auf Steiners Landwirtschaftlichen Kurs von 1924 zurück. Die heutige Herstellungs- und Anwendungspraxis wurde später von Fachleuten wie Eckard von Wistinghausen, Pierre Masson und Walter Stappung ausgearbeitet und standardisiert.
Einordnung
Die Präparate sind der am stärksten diskutierte Teil der Methode, weil sie in extremer Verdünnung eingesetzt werden und ihre Begründung auf Steiners Kräftebegriff beruht. Die isolierte Wirkung des einzelnen Präparats ist wissenschaftlich schwer nachzuweisen; für das biodynamische Gesamtsystem zeigt der DOK-Langzeitversuch des FiBL (seit 1978) dagegen Vorteile bei Bodenfruchtbarkeit und Humus. Unabhängig von der Wirkungsfrage sind die Präparate das definierende Merkmal der biodynamischen Wirtschaftsweise.
Häufige Fragen zu biodynamischen Präparaten
Wie viele biodynamische Präparate gibt es?
Neun, nummeriert von 500 bis 508: zwei Spritzpräparate (500, 501), sechs Kompostpräparate (502–507) und der Ackerschachtelhalm (508).
Was ist der Unterschied zwischen Spritz- und Kompostpräparaten?
Spritzpräparate (500, 501) werden in Wasser gerührt und auf Boden oder Pflanze gesprüht. Kompostpräparate (502–507) werden in den Kompost oder Wirtschaftsdünger eingebracht und steuern dort die Rotte.
Sind die Präparate bei Demeter Pflicht?
Ja. Die Herstellung und Anwendung der Präparate ist eine ausgewiesene biodynamische Kulturtechnik und für jeden Demeter-Betrieb verbindlich.
Verwandte Begriffe
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