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27. Mai 2026 · 5 Min. Lesezeit

Biodynamische Präparate rühren — Anleitung zum Dynamisieren

Wie Hornmist, Hornkiesel und Fladenpräparat richtig gerührt werden — Wirbel und Chaos, Mengen, Gefäß, Dauer und der richtige Zeitpunkt.

Vor dem Ausbringen werden die Feldspritzpräparate — Hornmist (500), Hornkiesel (501) und das Fladenpräparat — in Wasser gerührt. Dieses Rühren heißt Dynamisieren: Das Präparat wird in eine gründliche Verbindung mit dem Wasser gebracht, das es dann auf die Fläche trägt. Rudolf Steiner beschreibt diese Verbindung im „Landwirtschaftlichen Kurs“ (GA 327) als notwendigen Schritt. Diese Anleitung erklärt das Rühren von Hand und mit Maschine — Mengen, Gefäß, Bewegung, Dauer und Zeitpunkt.

Was beim Dynamisieren passiert

Beim Rühren wird das Wasser zunächst in eine Richtung in Bewegung gebracht, bis ein tiefer Wirbel — ein Trichter — entsteht. Dann wird die Richtung schlagartig umgekehrt. Der Wirbel bricht zusammen, das Wasser gerät ins Chaos, und aus diesem Chaos baut sich in der Gegenrichtung ein neuer Trichter auf. Dieser Wechsel von geordnetem Wirbel und Chaos wiederholt sich ohne Pause über die gesamte Rührzeit. Pierre Masson beschreibt das Ziel präzise: Der Wirbel soll so tief wie möglich reichen, fast bis zum Gefäßboden, bevor er zerstört wird.

Welche Mengen werden gerührt?

Die Größenordnungen nach Pierre Masson, jeweils pro Hektar und für den Hausgarten:

| Präparat | Pro Hektar | Wassermenge | Hausgarten | |---|---|---|---| | Hornmist (500) | rund 100 g | 30–35 l | 10–20 g in 5–10 l | | Hornkiesel (501) | 2–4 g | 30–35 l | eine Prise (etwa 0,25 g) in 5–10 l | | Fladenpräparat | rund 240 g | 35–50 l | nach Maria Thun etwa 6 g auf 2 l |

Die Wassermenge richtet sich nach der Fläche und der Spritztechnik, nicht nach einer festen Regel — entscheidend ist, dass die ausgebrachte Menge die Fläche gleichmäßig benetzt.

Worin und womit wird gerührt?

Gerührt wird in einem zylindrischen Gefäß, das höher als breit ist; Masson nennt ein Verhältnis von etwa 1,4 zu 1. Für kleine Mengen eignen sich Steinguttöpfe, wie sie früher zur Sauerkrautherstellung dienten, für größere Mengen ein Holzfass. Behälter aus Edelstahl und Kupfer sind ebenfalls geeignet. Gefäße mit ausgeprägten „Schultern“ lassen den Wirbel zu früh zusammenbrechen und sind weniger gut.

Von Hand wird mit einem kräftigen Rührstab gerührt, in kleinen Gefäßen mit der Hand oder einem großen Schneebesen. Die meisten Rührgeräte sind nach unten verdickt — ein fest gebundener Reisigbesen oder ein gedrechseltes Holzgerät. Für die Ausbringung mit der Spritze wird die Flüssigkeit beim Umfüllen abgesiebt, sonst verstopfen feste Bestandteile die Düsen.

Von Hand oder mit der Maschine

Bei kleinen bis mittleren Mengen ist das Rühren von Hand die klassische Methode. Mit wachsender Betriebsgröße ist das maschinelle Rühren von mehreren Hundert Litern zur Notwendigkeit geworden. Maschinelle Rührfässer sind oft mit einer Niveausonde ausgestattet, die die Drehrichtung automatisch umkehrt, sobald der Wirbel eine bestimmte Höhe erreicht. Wichtig bleibt in beiden Fällen, dass Wirbel und Chaos ohne Unterbrechung aufeinanderfolgen.

Schritt für Schritt: so wird gerührt

1. Das Gefäß zu etwa zwei Dritteln mit Wasser füllen. Die Wasserqualität und eine handwarme Temperatur sind dem Hornmist förderlich. 2. Hornmist und Fladenpräparat zuerst in wenig Wasser anlösen und dann zugeben, damit sie sich gut verteilen. Hornkiesel kann direkt ins Wasser gegeben werden. 3. Gleichmäßig am Rand in eine Richtung rühren, bis ein tiefer Trichter steht. Das erfordert etwas Kraft. 4. Schlagartig umkehren, sodass das Wasser ins Chaos gerät, und sofort in die Gegenrichtung weiterrühren, bis erneut ein Trichter entsteht. 5. Diesen Wechsel ohne Pause fortsetzen. Eine Trichterbildung dauert je nach Gefäß, Wassermenge und rührender Person rund eine halbe Minute. Fällt das Rühren sehr schwer oder gelingt der Trichter schlecht, kleinere Mengen ansetzen.

Wie lange wird gerührt?

Hornmist und Hornkiesel werden jeweils eine Stunde gerührt. Das Fladenpräparat wurde bereits bei der Herstellung eine Stunde dynamisiert und braucht vor dem Ausbringen nur noch rund 20 Minuten. Auch die Pflanzentees und Kräuterauszüge werden vor dem Spritzen etwa 20 Minuten dynamisiert.

Wann wird gerührt — und wie schnell ausgebracht?

Hornmist und Hornkiesel werden möglichst direkt vor dem Ausbringen gerührt: Hornmist am Nachmittag und Abend, Hornkiesel am Morgen oder Vormittag. Das gerührte Präparat verliert mit der Zeit an Wirkung — Masson rät, Hornmist innerhalb von zwei bis drei Stunden nach dem Dynamisieren auszubringen. Das Fladenpräparat ist großzügiger: Es lässt sich nach dem Rühren rund drei Tage lang verwenden.

Für die Herstellung der Rührgeräte und eine ausführliche Darstellung der Trichter- und Umkehrbewegung sind die Praxiswerke von Walter Stappung und Eckard von Wistinghausen die Referenz.

Häufige Fragen zum Rühren der Präparate

Was bedeutet „dynamisieren“?

Dynamisieren ist das rhythmische Rühren des Präparats in Wasser, bei dem sich Wirbel und Chaos abwechseln. Dadurch wird das Präparat gleichmäßig im Wasser verteilt und für die Ausbringung aufgeschlossen.

Warm oder kalt rühren?

Für Hornmist hat sich handwarmes Wasser bewährt. Die Wasserqualität und -temperatur sind beim empfindlichen Hornmist wichtiger als beim Hornkiesel.

Lassen sich die Präparate auch maschinell rühren?

Ja. Ab größeren Mengen ist das maschinelle Rühren üblich. Entscheidend ist, dass die Maschine die Drehrichtung regelmäßig umkehrt und Wirbel und Chaos ohne Pause aufeinanderfolgen.

Wie schnell muss nach dem Rühren gespritzt werden?

Hornmist möglichst innerhalb von zwei bis drei Stunden. Das Fladenpräparat hält nach dem Rühren rund drei Tage.

Fazit

Das Rühren ist kein Beiwerk, sondern der Schritt, der das Präparat erst wirksam in die Fläche bringt. Wer auf einen tiefen Wirbel, die saubere Umkehr ins Chaos und die richtige Dauer achtet — eine Stunde für 500 und 501 — und das Gerührte rasch ausbringt, hat die Grundlage gelegt. Wann genau Hornmist und Hornkiesel ausgebracht werden, vertiefen die Artikel zu Hornmist 500 und Hornkiesel 501.

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