Nach der Ernte beginnt die nächste Saison — nicht im Frühjahr, sondern jetzt. Zwischenfrüchte und Gründüngung schließen die Lücke zwischen Haupt- und Folgekultur, halten den Boden lebendig und entscheiden mit darüber, wie die nächste Ernte ausfällt. Im biodynamischen Anbau sind sie selbstverständlicher Teil der Hofpraxis — kombiniert mit den Präparaten und dem Hofkompostsystem ergibt sich eine geschlossene Bodenpflege.
Was Zwischenfrüchte leisten
Zwischenfrüchte und Gründüngung erfüllen vier Funktionen im Boden:
Bodenschutz. Offener Boden zwischen Hauptkulturen verliert Wasser an die Verdunstung, lässt sich von Wind und Wasser erodieren und brennt in der Sommersonne aus. Eine Pflanzendecke verhindert das.
Bodenleben füttern. Lebende Wurzeln scheiden Substanzen aus, die das Bodenleben — Mikroorganismen, Pilze, Insekten — direkt ernähren. Ein bewachsener Boden ist ein lebendiger Boden.
Nährstoffe binden. Was die Hauptkultur an Stickstoff im Boden zurückgelassen hat, würde ohne Pflanzendecke ausgewaschen. Zwischenfrüchte nehmen es auf und geben es nach der Einarbeitung wieder ab.
Stickstoff fixieren. Leguminosen (Klee, Wicke, Erbsen) binden zusätzlich Stickstoff aus der Luft — eine kostenlose Düngung für die Folgekultur. Siehe auch leguminosen-bodenverbesserer.
Aussaatzeitpunkt
Im Hauptanbaurhythmus eines mitteleuropäischen Hofes oder Gartens gibt es zwei klassische Fenster:
Spätsommer-Herbst (August/September): Nach der Hauptkultur (Getreide, frühe Kartoffeln, frühes Gemüse) wird die Zwischenfrucht gesät. Sie wächst noch im Spätherbst, schützt den Boden über Winter und wird im Frühjahr eingearbeitet.
Frühsommer (Juni/Juli): Als Untersaat in spätreifende Hauptkulturen (Mais, Sonnenblume, Kürbis) — die Zwischenfrucht etabliert sich unter der Hauptkultur und übernimmt nach deren Ernte die Fläche.
Für die Spätsommer-Aussaat gibt es ein praktisches Fenster bis etwa Mitte September; je nach Witterung und Region verschiebt sich der Termin um zwei bis drei Wochen. Späte Aussaaten brauchen winterharte Arten.
Welche Arten sich eignen
Drei Gruppen lassen sich unterscheiden:
Schnellwüchsige Nichtleguminosen für kurze Pausen:
- Phacelia (Bienenfreund, Phacelia tanacetifolia) — schnelle Bodendeckung, viel Biomasse, bienenfreundlich, friert sicher ab
- Senf (Sinapis alba) — sehr schnell, aber bei zu warmer Witterung Schossneigung
- Buchweizen (Fagopyrum esculentum) — fröstelfrei, hohe Biomasse, gut auf armen Böden
Leguminosen für Stickstoffanreicherung:
- Rotklee und Weißklee — mehrjährig nutzbar
- Inkarnatklee — einjährig, schnellwüchsig
- Winterwicke — sehr winterhart, kombinierbar mit Roggen
Mischungen kombinieren die Vorteile mehrerer Arten — meist eine Leguminose mit einer Nichtleguminose plus einem Tiefwurzler (Ölrettich, Lupine). Mischungen sind die Standardempfehlung der biodynamischen Forschungsringe; sie sind robuster als Monokulturen und decken die Funktionen breiter ab.
Saatmengen und Ausbringung
Faustregeln:
- Phacelia: 8 bis 12 g/m² (im Hektarbetrieb 8 bis 12 kg/ha)
- Senf: 10 bis 20 g/m² (8 bis 15 kg/ha)
- Klee solo: 2 bis 4 g/m² (2 bis 4 kg/ha)
- Winterwicke mit Roggen: 80 + 60 kg/ha
- Mischungen: nach Anbieter-Empfehlung, meist 15 bis 25 kg/ha
Aussaat in feinkrümeligen, leicht angefeuchteten Boden. Oberflächlich ausstreuen, leicht einarbeiten (1 bis 2 cm tief), nicht walzen — Phacelia und Klee keimen aus Lichtkeimer-Tradition besser flach.
Biodynamische Flankierung
Im klassischen biodynamischen Anbau wird die Aussaat der Zwischenfrucht von zwei Präparate-Anwendungen begleitet:
Fladenpräparat — eine Anwendung nach der Einarbeitung der Ernterückstände, vor der Aussaat. Das Fladenpräparat wirkt als Bodenstarter; es belebt das Bodenleben und beschleunigt den Aufbau für die Zwischenfrucht. Mengen siehe Mengenreferenz.
Hornmist 500 — eine Anwendung nach der Aufnahme der Zwischenfrucht (etwa zwei bis drei Wochen nach Aussaat), bei feuchtem Boden in den Morgenstunden. Der Hornmist unterstützt die Wurzelbildung und das Anwachsen.
Im Frühjahr, vor der Einarbeitung der Zwischenfrucht in den Boden, kann eine zweite Hornmist-Anwendung sinnvoll sein — sie hilft, die anstehende Mineralisation in eine gute Bahn zu lenken.
Was beim Einarbeiten zu beachten ist
Die Zwischenfrucht wird in der Regel im Frühjahr eingearbeitet — vor der Saatbettbereitung für die Folgekultur. Drei Punkte sind wichtig:
Reifezeit der organischen Masse. Frisch eingearbeitete Pflanzenmasse kann die Folgekultur kurzzeitig hemmen, weil das Bodenleben Stickstoff für die Zersetzung bindet. Mindestens drei bis vier Wochen Pause zwischen Einarbeitung und Aussaat lassen.
Bearbeitungstiefe. Flach einarbeiten (5 bis 10 cm) ist besser als tief unterpflügen. Bei tiefer Einarbeitung verrottet die Masse unter Sauerstoffmangel, es entstehen Fäulnisprodukte. Im biodynamischen Anbau ist flache Bearbeitung Standard.
Zerkleinern vor Einarbeiten. Stark verholzte Zwischenfrüchte (Senf nach Frost, Ölrettich) sollten gemulcht oder gewalzt werden, bevor sie eingearbeitet werden. Sonst wirft die Folgesaat ungleichmäßige Ergebnisse.
Häufige Fragen
Reicht eine Zwischenfrucht ohne Hofkompost?
Nein. Die Zwischenfrucht erhält den Bodenzustand und liefert Stickstoff für die nächste Kultur, ersetzt aber nicht die jährliche Kompostgabe, die die Humusbilanz auffüllt.
Wann ist die beste Zeit zur Aussaat?
Spätsommer (August bis Mitte September) für die Hauptpause, Juni/Juli für Untersaaten in spätreifenden Kulturen.
Welche Mischung ist optimal?
Für die meisten Standorte sind Mischungen aus Phacelia, Klee und Ölrettich (oder Lupine) eine bewährte Kombination. Anbieter biodynamischer Saatmischungen (Bingenheimer, Demeter-Saatgutbetriebe) führen erprobte Rezepturen.
Kann ich auch im Garten Zwischenfrüchte säen?
Ja. Im Hausgarten sind Phacelia, Senf und Klee die einfachsten Arten. Saatmenge bei Einzelbeeten überschlagen: etwa eine Handvoll pro Quadratmeter.
Fazit
Zwischenfrüchte sind im biodynamischen Anbau Standard, nicht Ausnahme. Sie schützen den Boden, binden Nährstoffe, füttern das Bodenleben und liefern Stickstoff. In Kombination mit Fladenpräparat und Hornmist ergibt sich eine geschlossene Bodenpflege, die die Folgekultur ohne synthetische Düngung tragen kann. Wer im Spätsommer säte, gewinnt einen Frühjahresstart, der dem Vorzustand deutlich überlegen ist.
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