Das Frühjahr ist die betriebsamste Zeit der biodynamischen Präparatearbeit: Auf der einen Seite werden Hornmist und Hornkiesel ausgebracht, sobald der Boden warm wird und die Kulturen anlaufen; auf der anderen Seite endet der Herstellungszyklus mehrerer Präparate, die über Winter im Boden lagen. Dieser Beitrag bündelt beides — was jetzt auf die Fläche kommt und was jetzt aus der Erde geholt oder neu angesetzt wird.
Anwendung im Frühjahr
Zu Vegetationsbeginn liegt der Schwerpunkt auf dem Bodenimpuls: Der Boden braucht Hornmist (500), die jungen Triebe brauchen Hornkiesel (501).
Hornmist 500 — der Bodenimpuls
Hornmist wird eine Stunde dynamisiert und am besten zum Tagesende ausgebracht — im Garten mit einem Besen, einem Bund Reisig oder der Präparatespritze grob auf den Boden gesprenkelt, im Betrieb mit der Spritze. Das Präparat geht auf den frisch bearbeiteten oder bewachsenen Boden, sobald dieser warm und feucht ist. Details zum Ausbringen im Artikel Hornmist 500.
Hornkiesel 501 — der Lichtimpuls
Hornkiesel wird eine Stunde dynamisiert und morgens fein vernebelt über den Kulturen ausgebracht, sobald junge Pflanzen und Triebe stehen. Im Getreide kommt die erste Gabe ab dem Dreiblattstadium, eine weitere zum Schossen. Mehr dazu im Artikel Hornkiesel 501.
Baldrian 507 als Frostschutz
Vor den Eisheiligen (11. bis 15. Mai) schützt das Baldrianpräparat (507) Obstblüten und empfindliche Kulturen vor Spätfrost. Es wird etwa 10 bis 20 Minuten dynamisiert und am Abend vor möglichen Frostnächten bei Windstille auf die Blüten gespritzt. Eckard von Wistinghausen beschreibt diese Frostschutz-Spritzung als bewährte Anwendung der Wärmewirkung des Präparats.
Weitere Anwendungen
Ackerschachtelhalm (508) wird als Tee dynamisiert und vorbeugend auf pilzgefährdete Kulturen gespritzt. Das Fladenpräparat wird rund 20 Minuten dynamisiert und auf die übrigen Flächen ausgebracht. Im Grünland erhalten Wiesen und Weiden Hornmist und Hornkiesel zu jedem neuen Aufwuchs.
| Kultur | Frühjahrsanwendung | |---|---| | Grünland | Hornmist und Hornkiesel zu jedem neuen Aufwuchs | | Getreide | Hornkiesel ab Dreiblattstadium und zum Schossen; Schachtelhalm bei Pilzdruck | | Wein und Obst | Hornmist zum Laubaustrieb; Baldrian als Frostschutz vor den Eisheiligen | | Garten | Hornmist bei Bodenbearbeitung, Saat und Pflanzung; Hornkiesel bei Blattbildung und Fruchtansatz |
Herstellung im Frühjahr
Das Frühjahr beendet den Erdzyklus mehrerer Präparate. Was über Winter im Boden gereift ist, wird jetzt ausgegraben; einige Präparate werden neu angesetzt.
- Hornmist (500) wird ausgegraben — die im Herbst mit Kuhmist gefüllten und vergrabenen Hörner haben über Winter im Boden gereift. Nach Wistinghausen werden sie ab Mai ausgegraben und gereinigt.
- Hornkiesel (501) wird neu angesetzt: Hörner werden mit vermahlenem Bergkristall gefüllt und vergraben — sie bleiben über den Sommer in der Erde und werden im Herbst geholt.
- Kamille (503) und Löwenzahn (506) werden ausgegraben; ihre über Winter im Boden gelegenen Hüllen (Rinderdärme beim Kamillenpräparat, Rindergekröse beim Löwenzahn) werden Ende April bis Anfang Mai geöffnet.
- Eichenrinde (505) wird im Frühjahr aus ihrem Wasser- und Schlammlager geholt.
- Schafgarbe (502) und Kamillenblüten werden über Frühjahr und Sommer gesammelt und getrocknet; die Schafgarbe wird in die Hirschblase gefüllt und an einem sonnigen Platz aufgehängt.
Den vollständigen Herstellungsweg jedes Präparats — Hülle, Ausgangsstoff und Reifezeit — beschreiben die Werke von Wistinghausen und Walter Stappung im Detail.
Häufige Fragen zu Präparaten im Frühjahr
Welches Präparat kommt im Frühjahr zuerst?
Hornmist (500) als Bodenimpuls zu Vegetationsbeginn, sobald der Boden warm und feucht ist. Hornkiesel (501) folgt auf die jungen, grünen Triebe.
Wie schütze ich Obstblüten vor Spätfrost?
Mit dem Baldrianpräparat (507): rund 10 bis 20 Minuten dynamisieren und am Abend vor erwarteten Frostnächten bei Windstille auf die Blüten spritzen, besonders rund um die Eisheiligen.
Welche Präparate werden im Frühjahr ausgegraben?
Hornmist (500) sowie Kamille (503), Löwenzahn (506) und Eichenrinde (505), die über Winter im Boden gereift sind. Hornkiesel (501) wird dagegen jetzt neu vergraben.
Fazit
Im Frühjahr greifen Anwendung und Herstellung ineinander: Hornmist und Hornkiesel bringen den Jahresauftakt in Boden und Blatt, Baldrian sichert die Blüte gegen Frost, und der Erdzyklus von Hornmist, Kamille, Löwenzahn und Eichenrinde schließt sich. Wer die Reihenfolge — erst Boden, dann Licht — im Blick behält, hat den Frühjahrsrhythmus im Griff.
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