Der Herbst ist die zentrale Herstellungszeit der biodynamischen Präparate. Während auf den Flächen die letzte Anwendung des Jahres läuft, beginnt im Boden der Erdzyklus, der die meisten Präparate über Winter reifen lässt. Dieser Beitrag gibt den Überblick: Was wird jetzt vergraben, was ausgegraben — und welche tierische oder pflanzliche Hülle gehört zu welchem Präparat. Die ausführlichen Rezepte stehen bei Eckard von Wistinghausen und Walter Stappung; hier geht es um den Jahresrhythmus.
Was im Herbst vergraben wird
Mehrere Präparate werden im Herbst angesetzt und über Winter der Erde anvertraut.
Hornmist 500
Kuhhörner werden mit Kuhmist gefüllt und vergraben. Über Winter durchläuft der Mist im Horn unter Erdeinfluss seine Umwandlung; ausgegraben wird im Frühjahr. Der Hornmist ist das Bodenpräparat schlechthin — die Grundlage der Präparatearbeit. Details im Artikel Hornmist 500 und zur Hülle in Kuhhorn.
Schafgarbe 502
Das Schafgarbenpräparat reift in der Blase eines Hirschs. Die im Sommer mit Schafgarbenblüten gefüllte und in der Sonne ausgehängte Blase wird im Herbst vergraben und bleibt über Winter im Boden. Mehr in Schafgarbe 502.
Kamille 503
Getrocknete Kamillenblüten werden in Rinderdärme gefüllt und im Herbst vergraben. Über Winter entsteht im Boden das Kamillenpräparat; ausgegraben wird gegen Ende des Winters. Siehe Kamille 503.
Löwenzahn 506
Löwenzahnblüten werden in das Rindergekröse — das Mesenterium — gepackt und als Kugeln im Herbst vergraben. Auch sie reifen über Winter im Boden. Siehe Löwenzahn 506.
Was im Herbst ausgegraben wird
Hornkiesel 501
Die im Frühjahr mit vermahlenem Bergkristall gefüllten und über den Sommer vergrabenen Hörner werden im Herbst geholt. Das Kieselpräparat bleibt am besten bis zum Gebrauch im Horn. Mehr in Hornkiesel 501.
Die Sonderrolle der Eichenrinde
Das Eichenrindenpräparat (505) folgt einem eigenen Rhythmus. Die zerkleinerte Eichenrinde wird in einen Haustierschädel gefüllt — nach Wistinghausen eignen sich Rinder-, Schaf-, Ziegen-, Schweine- oder Pferdeschädel. Unter dem Schutz der knöchernen Schädeldecke gerät die Rinde in einen Faulprozess. Der gefüllte Schädel reift in einem feuchten, durchströmten Milieu — etwa in Schlamm oder fließendem Wasser — und wird im Frühjahr, gegen Ende April bis Anfang Mai, herausgeholt. Im Herbst fällt dafür das Sammeln der Eichenrinde an. Mehr in Eichenrinde 505.
> Faktencheck-Hinweis: Die Hülle des Eichenrindenpräparats ist ein > Haustierschädel im Sinne Steiners (Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Pferd) — > nicht auf „Nutztier“ verengt. Diese Präzisierung ist wichtig, weil sie in > populären Darstellungen oft verkürzt wird.
Der Herstellungszyklus auf einen Blick
| Präparat | Hülle | Vergraben | Ausgegraben | |---|---|---|---| | Hornmist 500 | Kuhhorn | Herbst | Frühjahr (ab Mai) | | Hornkiesel 501 | Kuhhorn | Frühjahr | Herbst | | Schafgarbe 502 | Hirschblase | Herbst (nach Sommersonne) | Frühjahr | | Kamille 503 | Rinderdärme | Herbst | Ende Winter | | Eichenrinde 505 | Haustierschädel | eigener Wasser-/Schlammrhythmus | Frühjahr (Ende April/Mai) | | Löwenzahn 506 | Rindergekröse | Herbst | Frühjahr (Ende April/Mai) |
Brennnessel (504) folgt wiederum einem eigenen Weg: Sie wird ohne tierische Hülle vergraben und bleibt rund ein Jahr im Boden.
Häufige Fragen zur Herstellung im Herbst
Welche Präparate werden im Herbst vergraben?
Hornmist (500) in Kuhhörnern, Schafgarbe (502) in der Hirschblase, Kamille (503) in Rinderdärmen und Löwenzahn (506) im Rindergekröse — alle reifen über Winter im Boden.
Welche werden im Herbst ausgegraben?
Hornkiesel (501), das über den Sommer in der Erde lag.
Welche Hülle gehört zum Eichenrindenpräparat?
Ein Haustierschädel — nach Wistinghausen Rinder-, Schaf-, Ziegen-, Schweine- oder Pferdeschädel. Die Schädeldecke schützt die Rinde während des Faulprozesses.
Brauche ich für jedes Präparat ein eigenes Tier?
Die tierischen Hüllen stammen aus der Schlachtung; empfohlen werden Hüllen vom eigenen Hof oder aus biologischer Haltung. Sie müssen Lebensmittelqualität haben oder als Dünger zugelassen sein.
Fazit
Der Herbst trägt den Herstellungszyklus: Hornmist, Schafgarbe, Kamille und Löwenzahn gehen in die Erde, Hornkiesel kommt heraus, und die Eichenrinde folgt ihrem eigenen Wasserrhythmus. Wer den Jahreslauf der Hüllen und Reifezeiten kennt, versteht, warum die Präparatearbeit an feste Termine gebunden ist. Die genauen Rezepte je Präparat vertiefen die Einzelartikel und die Werke von Wistinghausen und Stappung.
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