Im biodynamischen Anbau ist die Selbstherstellung von Düngern keine Nebensache, sondern Teil der Hoflogik. Wer Dünger zukauft, gibt Stoffkreisläufe und damit auch Bodenpflege-Entscheidungen aus der Hand. Wer selbst herstellt, kennt die Substratbasis, die Reifezeit, die Anwendungstauglichkeit — und kann die Kompostpräparate gezielt einsetzen.
Diese Übersicht zeigt die wichtigsten Eigendünger der biodynamischen Praxis, ihre Anwendung und ihre Grenzen.
Hofkompost — das Herzstück
Der mit den Kompostpräparaten 502 bis 507 beimpfte Hofkompost ist der zentrale Dünger des biodynamischen Hofes. Ausgangsmaterial sind Stallmist plus Einstreu, kombiniert mit Pflanzenresten und Gartenabfällen. Aufgesetzt in trapezförmigen Mieten, die mit den sechs Kompostpräparaten in vorgegebenen Bohrlöchern beimpft werden, reift der Kompost über sechs bis zwölf Monate zu einem dunklen, krümeligen, erdig riechenden Material.
Mengen: 15 bis 25 Tonnen pro Hektar im Hof, im Garten 3 bis 5 Liter pro Quadratmeter. Im Hochbeet und in Anzuchterden hochwertiger Kompost als Beimischung (10 bis 30 Prozent).
Zeitpunkt: Ausbringung im Herbst vor der Bodenruhe oder im Frühjahr vor der Saatbettbereitung — vor der Aussaat eingearbeitet, nicht obenauf liegen lassen.
Hofkompost ist nicht ersetzbar. Wer Hofkompost selbst herstellt und die Präparate beimischt, hat den Grundstein für die biodynamische Bodenpflege gelegt.
Brennnesseljauche — Stickstoffträger und Stärkungsmittel
Brennnesseljauche ist die klassische Hausjauche der biodynamischen und ökologischen Gartenpraxis. Frische Brennnesseln (vor der Blüte) werden zerkleinert, in Regenwasser angesetzt und über zwei bis vier Wochen vergoren. Der entstehende dunkle, kräftig riechende Sud ist stickstoffreich und enthält wachstumsfördernde Substanzen.
Verdünnung: 1 zu 10 als Bodendünger, 1 zu 20 als Blattspray. Niemals pur ausbringen.
Anwendung: Im Wachstumsbeginn alle zwei bis drei Wochen. Bei Starkzehrern (Kohl, Tomate, Kartoffel) bis Juli, danach nicht mehr — sonst geht die Pflanze nicht in die Reifephase über.
Grenze: Brennnesseljauche stinkt — relevant auf kleinen Flächen und in der Nachbarschaft. Geschlossene Behälter mit Deckel reduzieren das Problem; Belüften (durch Umrühren) verbessert die Qualität, riecht aber kurzzeitig stärker.
Beinwellbrühe — Kalium für Fruchtbildung
Beinwell (Symphytum officinale) ist reich an Kalium und eignet sich besonders für die Reife- und Fruchtbildungsphase. Frische Blätter werden ähnlich wie Brennnesseln in Wasser angesetzt; der Sud ist heller und milder im Geruch.
Verdünnung und Anwendung: Wie Brennnesseljauche — 1 zu 10 als Bodengabe. Besonders bei Tomate, Paprika, Erdbeere und Kartoffel ab Juli.
Schachtelhalmtee als vorbeugende Pflanzenstärkung
Schachtelhalmtee aus Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) ist kein Dünger im engeren Sinne, sondern ein Pflanzenstärkungsmittel mit hohem Kieselsäuregehalt. In der biodynamischen Praxis wird er zur Pilzdruckregulierung eingesetzt — vorbeugend, nicht heilend.
Herstellung: 200 Gramm getrocknete Pflanze in 10 Liter Wasser eine Stunde köcheln, abkühlen lassen, abseihen.
Verdünnung: 1 zu 5 als Spray. Anwendung an feuchten, kühlen Frühjahrsmorgen vor Pilzdruckperioden.
Siehe auch Ackerschachtelhalm 508 — das Steiner-Präparat selbst ist eine andere Anwendungsform desselben Pflanzenkonzepts.
Wurmhumus — punktuelle Spitzenqualität
Regenwurmhumus entsteht in der Wurmkiste am Hof oder im Garten — Kompostwürmer verarbeiten organisches Material zu hochaktivem Humus. Ausführlich beschrieben in regenwurmhumus-biodynamisch.
Anwendung: In der Anzucht (10 bis 20 Prozent Beimischung), als Pflanzlochbeigabe, bei Spezialkulturen. Nicht als Flächendünger — dafür ist der Hofkompost zuständig.
Pflanzenkohle und Terra Preta
Pflanzenkohle aktiviert mit Kompost und Pflanzenjauche wird zur Bodenverbesserungs-Substanz „terra-preta-biodynamisch". Sie speichert Wasser und Nährstoffe, fördert die Mikrobiologie und bindet Kohlenstoff dauerhaft im Boden.
Anwendung: 1 bis 3 Liter aktivierte Pflanzenkohle pro Quadratmeter, gut mit Hofkompost vermischt. Einmalige Anwendung mit langer Wirkungsdauer.
Grenze: Pflanzenkohle ist im Hofmaßstab aufwendig herzustellen und teurer als andere Bodenverbesserer. Für Spezialflächen (Hochbeet, intensive Gärtnerei) lohnt sich der Aufwand, im Großmaßstab eher nicht.
Hornspäne, Kornschnitt und mineralische Hilfsstoffe
Auf dem Hof werden zur Ergänzung mineralische Hilfsstoffe eingesetzt: Urgesteinsmehl (Basalt), Algenkalk, eventuell Hornspäne aus Demeter-Quelle. Diese sind keine Eigenherstellung, aber Teil der biodynamischen Düngerwerkstatt — sie ergänzen die organische Düngung dort, wo Spurenstoffe oder pH-Korrektur gebraucht werden.
Was du nicht selbst herstellen solltest
Die Steiner-Präparate (500 bis 508) sind keine Hausherstellung im engeren Sinne. Hornmist 500 kann auf dem eigenen Hof hergestellt werden, wenn Kühe, Hörner und biodynamische Erfahrung vorhanden sind — der Aufwand ist erheblich. Hornkiesel 501, die sechs Kompostpräparate, Ackerschachtelhalm 508 und das Fladenpräparat werden in der Regel von spezialisierten Präparate-Werkstätten bezogen, weil die Qualitätskontrolle schwierig ist (Hülle, Reifebedingungen, Lagerung).
Wer selbst herstellen will, fängt mit Hornmist an — die Lernkurve ist Jahre. Für die anderen Präparate ist der Bezug aus einer erfahrenen Werkstatt die bessere Wahl. Siehe auch biodynamische-praeparate-beziehen.
Häufige Fragen
Reicht selbst hergestellter Dünger für einen biodynamischen Hof?
Hofkompost mit den Kompostpräparaten als Grundpfeiler reicht für die meisten biodynamischen Höfe. Ergänzungen (Mineralergänzung, eventuell zugekaufte Düngerkomponenten in Spezialkulturen) sind möglich, nicht zwingend.
Was kann ich im kleinen Hausgarten herstellen?
Brennnesseljauche, Beinwellbrühe, Schachtelhalmtee — alles in einer Regentonne ansetzbar. Eine kleine Wurmkiste auf dem Balkon liefert Regenwurmhumus.
Wie lagere ich die selbst hergestellten Brühen?
Frisch zubereitet ausbringen ist optimal. Jauchen halten in geschlossenen Gefäßen mehrere Wochen; sie reifen weiter und können bei längerer Lagerung an Wirkung verlieren.
Sind die selbst hergestellten Dünger Demeter-konform?
Ja, sofern das Ausgangsmaterial bio-zertifiziert ist (eigene Brennnesseln, eigene Beinwellpflanzen). Auf dem Demeter-Hof ist die Eigenherstellung Standard, nicht Ausnahme.
Fazit
Selbst hergestellte Dünger sind im biodynamischen Anbau die Regel — vom mit Präparaten beimpften Hofkompost bis zur Brennnesseljauche im Hausgarten. Die Stoffkreisläufe bleiben damit auf dem eigenen Hof, die Qualität ist nachvollziehbar, die Kosten sind niedrig. Was im Bezug bleibt: die Steiner-Präparate und die mineralischen Ergänzungen, die spezielle Werkstattbedingungen erfordern.
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