Was ist Regenwurmhumus?
Regenwurmhumus, im internationalen Sprachgebrauch Vermicompost, ist das Produkt der Verdauungsleistung von Kompostwürmern — meist Eisenia fetida („Mistwurm") oder Eisenia hortensis. Die Würmer durchsetzen organisches Material (Pflanzenreste, Mist, Küchenabfälle) und scheiden es in Form kleiner, tonig-humoser Kügelchen wieder aus. Diese Kotpellets sind das eigentliche Produkt: dunkel, krümelig, neutral riechend, mit hohem Anteil pflanzenverfügbarer Nährstoffe.
Im Vergleich zu klassisch kompostierten Materialien zeigt Regenwurmhumus typischerweise eine höhere mikrobielle Aktivität, eine günstigere Kohlenstoff-Stickstoff-Relation und einen erhöhten Gehalt an Nährstoffen, die im Wurmverdauungstrakt freigesetzt werden — vor allem Stickstoff, Phosphor und Kalium.
Herstellung
Die Herstellung erfolgt in Wurmkisten („Wurmfarmen") oder in offenen Mieten. Die Würmer brauchen Feuchtigkeit (etwa 70 Prozent), Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad, ein neutrales bis leicht saures Milieu und kontinuierliche Futterzufuhr. Die Beschickung erfolgt schichtweise, sodass die Würmer das frische Material von oben aufarbeiten, während sich der reife Humus unten sammelt.
Nach drei bis sechs Monaten ist eine erste Ernte möglich. Der reife Humus wird abgesiebt — die Würmer bleiben in der Frischschicht zurück und arbeiten weiter.
Anwendung im biodynamischen Anbau
Regenwurmhumus wird in der Praxis als hochwertige Kompostkomponente eingesetzt, nicht als Ersatz für die klassische Hofkompostwirtschaft. Übliche Anwendungen:
- als Beimischung zur Anzuchterde (10 bis 20 Prozent)
- als Pflanzkompost zur Beigabe in Pflanzlöcher
- als Mulchschicht in Gemüsekulturen
- als Komponente in selbst hergestellten Pflanzsubstraten
Mengen liegen bei rund 1 bis 3 Litern pro Quadratmeter im Garten und entsprechend höher in der gärtnerischen Praxis. In der biodynamischen Tradition wird Regenwurmhumus nicht mit Präparaten beimpft (das geschieht beim Hofkompost), sondern als „fertiges" Produkt eingesetzt.
Einordnung in den Hoforganismus
Im klassischen biodynamischen Hoforganismus hat Regenwurmhumus keinen festen Platz — die Bodenfruchtbarkeit wird primär über die Wirtschaftsdüngerwirtschaft (Mist, Gülle) und den damit verbundenen Kompost gestaltet, ergänzt um die Kompostpräparate. Wurmkisten und Wurmfarmen sind eher Hausgarten- oder spezialisierte Gärtnerei-Werkzeuge.
In der erweiterten biodynamischen Praxis — vor allem in tropischen und subtropischen Regionen, wo klassische Stallmistwirtschaft schwierig ist — spielt Vermicompost dagegen eine größere Rolle. Die indische biodynamische Bewegung (siehe Cow Pat Pit (CPP)) arbeitet stark mit Wurmkompost als Bodenaufbauer.
Was Studien zeigen
Regenwurmhumus ist einer der wenigen biodynamisch verträglichen Bodenaufbauer mit substanzieller wissenschaftlicher Belegtheit. Studien dokumentieren konsistent eine Erhöhung des Pflanzenwachstums bei moderaten Beimischungen, eine günstige Wirkung auf die Bodenmikrobiologie und eine Reduktion bestimmter Pflanzenkrankheiten — vor allem im Gemüsebau. Die Datenlage ist deutlich besser als bei den klassischen biodynamischen Präparaten; Vermicompost gilt in der Forschung als belastbare Maßnahme.
Verwandte Begriffe
- Kompost
- Humus
- Kompostpräparate
- Hoforganismus
- Terra Preta (Brücke: biologisch aktivierter Humus)
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