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01. Juni 2026 · 6 Min. Lesezeit

Einführung in die biodynamische Präparatearbeit — ein Leitfaden für den Einstieg

Wie du mit der biodynamischen Präparatearbeit beginnst: was sie ist, welche Präparate du brauchst, wie das Präparatejahr abläuft und worauf Umstellungsbetriebe achten müssen — ein Einstieg für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Die biodynamische Präparatearbeit ist das, was einen Demeter-Betrieb im Kern von jedem anderen Hof unterscheidet. Wer damit anfängt, steht zunächst vor vielen Fragen: Welche Präparate brauche ich? Stelle ich sie selbst her oder beziehe ich sie? Wann passiert was im Jahr? Dieser Leitfaden gibt den Überblick für den Einstieg — was die Präparatearbeit ist, wie du sie beginnst und wie sich ein Präparatejahr ordnet. Die ausführlichen Rezepturen und Anwendungsdetails findest du in den verlinkten Einzel-Porträts; hier geht es um die Orientierung.

Was Präparatearbeit eigentlich meint

Biodynamische Präparate sind neun nach Rudolf Steiner hergestellte Substanzen, die in sehr kleinen Mengen Boden, Kompost und Pflanze beleben sollen — keine Dünger, sondern Mittel, die Prozesse ordnen. Was darüber genau zu wissen ist, steht im Grundlagenartikel Was sind biodynamische Präparate. Für den Einstieg zählt vor allem eines: Präparatearbeit ist weniger zusätzliche Arbeit als eine andere Art, den eigenen Betrieb wahrzunehmen. Sie verbindet dich über das Jahr mit dem Rhythmus von Boden, Witterung und Kultur.

In der biodynamischen Fachliteratur werden die Präparate als „Bioregulatoren" beschrieben: Sie regen die Selbstorganisation des Bodens an und sollen für eine standortgerechte Balance von Ertrag und Qualität sorgen. Wichtig ist die Haltung dahinter — die Wirkung hängt unmittelbar an der Sorgfalt bei Herstellung, Lagerung und Anwendung. Schlampig gemacht und falsch gelagert verlieren Präparate ihren Sinn. Genau deshalb lohnt der saubere Einstieg.

Die Präparate im Überblick

Für die Praxis ordnest du die Präparate am besten nach ihrem Anwendungsweg:

Die beiden FeldspritzpräparateHornmist 500 (500) und Hornkiesel 501 (501) — werden in Wasser gerührt und gespritzt: Hornmist abends auf den Boden, Hornkiesel morgens auf die Pflanze. Sie bilden den Kern der Pflichtarbeit.

Die sechs Kompostpräparate (502–507) — Schafgarbe, Kamille, Brennnessel, Eichenrinde, Löwenzahn und Baldrian — kommen in Kompost und Wirtschaftsdünger und steuern dort die Rotte. Sie werden als Ensemble eingesetzt.

Dazu kommen Pflege- und Sammelpräparate: der Ackerschachtelhalm (508) gegen Pilzdruck und das Fladenpräparat als aufbereitete Mischung der Kompostpräparate, die sich gut über die Fläche ausbringen lässt. Die Nummern 500 bis 508 stammen übrigens aus der Frühzeit der Bewegung und waren ursprünglich als Decknamen gedacht — heute erleichtern sie vor allem den internationalen Austausch.

Selbst herstellen oder beziehen?

Beim Einstieg musst du nicht alles selbst machen. Es gibt zwei Wege, die sich gut kombinieren lassen.

Beziehen. Fertige Präparate von einer verlässlichen Bezugsquelle sind der pragmatische Start — gerade in der Umstellung, wenn ohnehin vieles neu ist. So kannst du die Anwendung üben, bevor du dich an die Herstellung wagst.

Selbst herstellen. Die biodynamische Tradition legt nahe, die Präparate möglichst auf dem eigenen Betrieb oder gemeinsam in regionalen Arbeitsgemeinschaften herzustellen. Das ist der eigentliche Lernweg: Beim Füllen der Kuhhörner oder beim Bergen der Kompostpräparate im Frühjahr versteht man die Methode mit den Händen. Viele Betriebe schließen sich dafür zu Präparategruppen zusammen — das senkt Aufwand und Hürde erheblich.

Ein realistischer Einstieg sieht oft so aus: erst beziehen und anwenden, dann nach und nach in die Herstellung hineinwachsen, idealerweise mit einer erfahrenen Gruppe oder Beratung im Rücken.

Das Präparatejahr im Rhythmus

Präparatearbeit folgt den Jahreszeiten — sowohl bei der Herstellung als auch bei der Anwendung. Grob gilt:

Im Frühjahr werden die über Winter im Boden gereiften Präparate geborgen (Hornmist, Kamille, Löwenzahn), und die erste Hornmistgabe geht auf die erwachenden Flächen. Über das Sommerhalbjahr liegt der Hornkiesel im Boden zur Reife, während Hornkiesel-Gaben Wachstum und Reife der Kulturen begleiten und die Kompostpräparate in jede anfallende Mistmiete kommen. Im Herbst beginnt der große Herstellungszyklus: Hornmist und die meisten Kompostpräparate werden neu angesetzt und vergraben. Der Winter ist Ruhe- und Reifezeit — im Boden arbeiten die eingegrabenen Präparate, oberirdisch ist Planung. Den durchgehenden Monatsfaden dazu liefert die Serie Präparatearbeit im Jahreslauf.

Vor jeder Spritzung steht das Dynamisieren: eine Stunde rhythmisches Rühren, damit sich der Kräftegehalt auf das Wasser überträgt, danach zügiges Ausbringen. Die Technik, Mengen und Zeitpunkte stehen unter Präparate ausbringen; zur Aufbewahrung siehe Lagern der Präparate.

Einsteiger und Fortgeschrittene

Für den Einsteiger ist die sinnvolle Reihenfolge: mit den beiden Feldspritzpräparaten beginnen — Hornmist auf den Boden, Hornkiesel auf die Kultur — und die Kompostpräparate in den Mist geben. Das ist die Pflichtbasis und zugleich der größte Hebel. Lieber wenige Anwendungen sauber und zum richtigen Zeitpunkt als viele hastig.

Für Fortgeschrittene öffnet sich von dort die ganze Tiefe: eigene Herstellung, Feinabstimmung der Zeitpunkte nach Witterung und Kultur, Arbeit mit Fladenpräparat und Schachtelhalm, das genaue Beobachten der Bestände. Die Methode ist ausdrücklich als Anregung zur eigenen Forschung gedacht — Steiner selbst verstand seine Angaben nicht als starres Rezept.

Was für Demeter zählt — und was nicht anerkannt ist

Für eine Demeter-Anerkennung sind Herstellung und Anwendung der Präparate verbindlich: Hornmist mindestens einmal jährlich auf allen Flächen, Hornkiesel kulturartgerecht, die Kompostpräparate in alle organischen Wirtschaftsdünger. Maßgeblich sind dabei immer die aktuellen Demeter-Richtlinien des jeweiligen Landes.

Wichtig für den Einstieg: Nicht jede Variante zählt. Präparateformen, die von den ursprünglich von Steiner angegebenen Formen grundsätzlich abweichen — etwa die hüllenlosen „vegetabilen" Präparate, potenzierte Präparate oder über technische Hilfsmittel „übertragene" Präparate — sind nach den Demeter-Anforderungen nicht anerkannt. Sie dürfen zu Forschungszwecken zusätzlich angewendet werden, ersetzen aber nicht die regulären Formen. Wer auf Demeter umstellt, hält sich an die anerkannten Rezepturen.

Für die Umstellung selbst gilt die klare Empfehlung der Fachliteratur: den Prozess von einer Beratungsperson begleiten zu lassen. Präparatearbeit lernt sich am besten nicht allein aus dem Buch, sondern an einem konkreten Betrieb mit jemandem, der sie kennt.

Häufige Fragen

Wie fange ich mit der Präparatearbeit an?

Am besten mit den beiden Feldspritzpräparaten Hornmist (500) und Hornkiesel (501) sowie den Kompostpräparaten im Mist. Fertige Präparate beziehen, die Anwendung üben und parallel — idealerweise in einer regionalen Präparategruppe — in die eigene Herstellung hineinwachsen.

Muss ich die Präparate selbst herstellen?

Nein. Für den Einstieg kannst du sie beziehen. Die Tradition legt die eigene Herstellung nahe, weil man die Methode dabei am besten versteht — viele Betriebe tun das gemeinsam in Arbeitsgemeinschaften.

Welche Präparate sind für Demeter Pflicht?

Hornmist, Hornkiesel und die Kompostpräparate. Hornmist muss mindestens einmal jährlich auf alle Flächen, Hornkiesel kulturartgerecht, die Kompostpräparate in alle organischen Wirtschaftsdünger.

Sind vegetabile Präparate Demeter-anerkannt?

Nein. Hüllenlose vegetabile Präparate sowie potenzierte oder technisch „übertragene" Formen weichen von Steiners Angaben ab und sind nach den Demeter-Anforderungen nicht anerkannt. Sie sind allenfalls als zusätzlicher Forschungsversuch zulässig.

Brauche ich eine Beratung für die Umstellung?

Empfehlenswert, ja. Die Fachliteratur rät ausdrücklich, den Umstellungsprozess begleiten zu lassen — Präparatearbeit lernt sich am besten an einem konkreten Betrieb.

Fazit

Der Einstieg in die Präparatearbeit ist einfacher, als die ungewohnte Herstellung zunächst vermuten lässt: Mit Hornmist, Hornkiesel und den Kompostpräparaten hast du die Pflichtbasis und zugleich den größten Hebel in der Hand. Beziehen, sauber anwenden, in die eigene Herstellung hineinwachsen — am besten in einer Gruppe und mit Beratung. Von dort trägt die Methode so weit, wie du sie vertiefen willst.

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