Die Baumpaste — auch Baumanstrich genannt — übernimmt für den Obstbaum eine ähnliche Rolle wie der Kompost für den Boden: Sie pflegt und belebt die Rinde, regt die Wachstumsschicht an und verschließt Risse, in denen Schädlinge überwintern. In der biodynamischen Obstbaupraxis, wie sie unter anderem auf Maria Thun zurückgeht, ist sie eine hofübliche, selbst hergestellte Pflegemaßnahme. Dieser Beitrag zeigt, woraus sie besteht und wie du sie aufträgst. Die Grundlagen stehen auch im Lexikon-Eintrag Baumpaste.
Zusammensetzung
Den Kern bildet eine streichfähige Mischung aus etwa gleichen Teilen Ton, feinem Sand oder Gesteinsmehl (auch Basaltmehl) und frischem Kuhmist, angerührt mit Regenwasser. Jeder Bestandteil bringt etwas mit: Der Ton sorgt für Haftung und Mineralien, der Sand beziehungsweise das Gesteinsmehl für Struktur, der Kuhmist für die belebende Wirkung. Ergänzt wird die Paste häufig um eine Portion Hornmist und um einen Schachtelhalm-Auszug, der über die Kieselsäure den Pilzschutz unterstützt. Je nach Hofrezept kommen weitere Zutaten dazu.
Die genaue Rezeptur ist nicht streng festgelegt — sie variiert von Betrieb zu Betrieb. Entscheidend ist die Konsistenz: zum Streichen eher dick wie Quark, zum Spritzen dünner. Zu dick reißt die Paste beim Trocknen, zu dünn läuft sie ab.
Der richtige Zeitpunkt
Aufgetragen wird die Baumpaste im Winterhalbjahr, am besten nach dem Laubfall und vor dem Saftdruck im Frühjahr, sowie im Anschluss an größere Schnittmaßnahmen. Die Rinde sollte trocken und nicht gefroren sein; lockere Borke wird vorher abgebürstet. Auf nasse, gefrorene oder in der Sonne aufgeheizte Stämme haftet die Paste schlecht.
Auftragen
Mit Pinsel oder Bürste wird die Paste auf Stamm und Hauptäste aufgetragen — großflächig, sodass auch Risse und raue Stellen erreicht werden. Sie wirkt auf das Kambium, die lebendige Wachstumsschicht direkt unter der Rinde: Die Pflege soll von außen die Lebenskräfte des Baumes anregen, ihn widerstandsfähiger machen und glatte, gesunde Borke fördern. Indem sie Risse verschließt, nimmt sie überwinternden Schädlingen den Unterschlupf.
Häufige Fragen
Woraus besteht die Baumpaste?
Aus Ton, feinem Sand oder Gesteinsmehl und frischem Kuhmist, angerührt mit Regenwasser — oft ergänzt um Hornmist und einen Schachtelhalm-Auszug. Die genaue Mischung ist nicht fest vorgeschrieben.
Wann trägt man die Baumpaste auf?
Im Winterhalbjahr nach dem Laubfall und vor dem Saftdruck sowie nach größeren Schnitten, auf trockene, nicht gefrorene Rinde.
Was bewirkt die Baumpaste?
Sie pflegt die Rinde, regt das Kambium an, fördert gesunde Borke und verschließt Risse, in denen Schädlinge überwintern.
Verwandte Begriffe & Artikel
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