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01. Juni 2026 · 3 Min. Lesezeit

Die Fritz-Studie zum Boden-Mikrobiom: was sie berichtet – und was nicht

Eine Studie (Milke, Fritz u. a., 2024) berichtet mehr vermutlich wachstumsfördernde Mikroorganismen in biodynamisch als in öko bewirtschafteten Böden. Was im Studientext steht – und was daraus nicht folgt.

Eine 2024 erschienene Studie aus der Arbeitsgruppe um Jürgen Fritz (Universität Kassel) wird in der biodynamischen Szene gern als Beleg dafür zitiert, dass „die Präparate wirken". Lohnenswert ist deshalb ein nüchterner Blick — nicht, um die Studie zu feiern oder zu verreißen, sondern um zu trennen, was im Studientext tatsächlich steht und was darüber hinaus hineingelesen wird.

Worum es ging

Die Studie (Milke, Rodas-Gaitan, Fritz u. a., ISME Communications, 2024) verglich das Boden-Mikrobiom unter biodynamischer und unter rein ökologischer Bewirtschaftung. Untersucht wurden 254 Bodenproben von 3 Standorten in Deutschland und 21 in Frankreich. Mit Gensequenzierung (16S für Bakterien, ITS für Pilze) und einem Datenbank-Abgleich wurde bestimmt, welche Mikroorganismen vorkommen und welche davon rechnerisch als vermutlich wachstumsfördernd eingestuft werden.

Was die Studie berichtet

Der berichtete Befund: In den biodynamisch bewirtschafteten Proben fanden sich mehr Genvarianten von Mikroorganismen, die als vermutlich pflanzenwachstumsfördernd gelten, als in den nur ökologisch bewirtschafteten. Die Autoren deuten die Präparate vor diesem Hintergrund als eine Art mikrobielle „Impfung" des Bodens. So weit der Inhalt der Arbeit.

Was daraus nicht folgt

Hier ist Genauigkeit wichtiger als Begeisterung — in beide Richtungen.

Erstens vergleicht die Studie biodynamisch gegen ökologisch, also zwei ohnehin ähnliche Anbauweisen. Ein dort gefundener Unterschied sagt nichts über den Abstand zur konventionellen Landwirtschaft und nichts über die anthroposophischen Begründungen der Methode.

Zweitens ist „wachstumsfördernd" hier eine Vorhersage aus dem Datenbankabgleich, keine im Feld gemessene Wirkung. Die Studie zeigt eine Verschiebung in der Zusammensetzung von Mikroorganismen — nicht, dass dadurch mehr oder bessere Ernte entsteht.

Drittens, und das ist der entscheidende Sprung: Selbst wenn sich im unmittelbaren Umfeld kleinster Mengen fermentierter Kräuter ein verändertes Mikrobiom nachweisen lässt, folgt daraus nicht, dass deshalb der ganze Acker fruchtbarer wird. Vom lokalen Befund zur flächigen Wirkung ist es ein weiter, nicht belegter Weg.

Dazu passt, dass die Forschenden selbst betonen: Die Effekte sind über die Jahre nicht stabil — mal zeigt sich etwas, im Folgejahr kaum.

Einordnung

Die biodynamische Methode ist im Kern ein Überzeugungssystem; der allergrößte Teil ihrer Annahmen ist naturwissenschaftlich nicht überprüfbar. Die Fritz-Studie ist einer der wenigen Punkte, an denen sich überhaupt etwas messen lässt — und sie misst genau einen schmalen Ausschnitt: eine Mikrobiom-Verschiebung im Boden-Vergleich. Das ist interessant und seriös erhoben. Es ist aber kein Beweis dafür, dass „die Präparate wirken" im großen Sinn, und schon gar keine Bestätigung der anthroposophischen Wirkidee. Wer die Studie als „jetzt ist es bewiesen" verkauft, überdehnt sie — wer sie ignoriert, unterschlägt einen realen Befund. Wie das ins Gesamtbild von Belegbarem und Unbelegbarem passt, steht unter Biodynamik und Wissenschaft.

Häufige Fragen

Was hat die Fritz-Studie berichtet?

Dass biodynamisch bewirtschaftete Böden mehr vermutlich wachstumsfördernde Mikroorganismen enthielten als nur ökologisch bewirtschaftete — eine Verschiebung im Boden-Mikrobiom im Vergleich der beiden Anbauweisen.

Beweist die Studie, dass die Präparate den Ertrag steigern oder den Acker fruchtbarer machen?

Nein. Sie zeigt eine Mikrobiom-Verschiebung; die wachstumsfördernde Funktion ist rechnerisch vorhergesagt, nicht am Ertrag gemessen. Von einem lokalen Mikrobiom-Effekt auf flächige Bodenfruchtbarkeit zu schließen, ist nicht gedeckt. Die Effekte schwanken zudem von Jahr zu Jahr.

Wo finde ich die Studie?

Milke, Rodas-Gaitan, Fritz u. a., „Enrichment of putative plant growth promoting microorganisms in biodynamic compared with organic agriculture soils", ISME Communications 4(1), ycae021 (2024), Open Access.

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