Leguminosen — die Hülsenfrüchtler — sind eines der wirkungsvollsten Werkzeuge für einen fruchtbaren Boden, und das ohne jeden Zukauf. Ihr Trick ist eine Symbiose: Über Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln binden sie Stickstoff direkt aus der Luft und reichern ihn im Boden an. Für eine Wirtschaftsweise, die in geschlossenen Kreisläufen denkt — wie die biodynamische —, sind sie damit ein Schlüsselbaustein. Dieser Beitrag erklärt die Symbiose, die wichtigsten Arten und ihren Platz im Kreislauf.
Wie die Stickstoffbindung funktioniert
Leguminosen gehen eine Partnerschaft mit Knöllchenbakterien (Rhizobien) ein. Die Pflanze bietet den Bakterien in kleinen Wurzelknöllchen Lebensraum und versorgt sie mit Zucker aus der Photosynthese; im Gegenzug wandeln die Bakterien Luftstickstoff in eine pflanzenverfügbare Form um. So gelangt Stickstoff in den Boden, der sonst nur über Düngung hereinkäme. Werden die Pflanzen oder ihre Ernterückstände eingearbeitet, steht dieser Stickstoff der Folgekultur zur Verfügung — biologische Düngung aus der Luft, angetrieben von Sonnenenergie.
Die wichtigsten Arten
Die Familie ist riesig. Für die Bodenverbesserung zählen vor allem:
Klee und Luzerne als mehrjährige Futter- und Gründüngungspflanzen — Luzerne wurzelt zudem tief und erschließt den Unterboden. Wicken, Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen als ein- bis überjährige Gründüngung und Körnerleguminosen. Im Hausgarten liefern Bohnen und Erbsen zugleich Ernte und Bodengewinn. Je nach Ziel — schnelle Gründüngung, tiefe Lockerung, Futter oder Korn — wählt man die passende Art.
Leguminosen im Anbausystem
Ihren vollen Wert entfalten Leguminosen in der Fruchtfolge und als Gründüngung. In der Fruchtfolge hinterlassen sie einen mit Stickstoff angereicherten Boden für nährstoffhungrige Folgekulturen. Als Gründüngung oder Untersaat halten sie den Boden bedeckt und durchwurzelt, unterdrücken Beikräuter und bringen organische Substanz ein. In Mischung mit Nicht-Leguminosen (etwa Wicke mit Getreide, Klee mit Gras) ergänzen sich Stickstoffbindung und Durchwurzelung. Das ist klassische gute fachliche Praxis des Öko- wie des konventionellen Landbaus.
Im biodynamischen Kreislauf
Für den biodynamischen Betrieb passen Leguminosen ideal zum Leitbild des Hoforganismus: Sie bringen Fruchtbarkeit aus dem eigenen System statt aus zugekauftem Stickstoff, füttern Bodenleben und Kompost und schließen Kreisläufe. Die biodynamische Methode ergänzt das nicht durch ein eigenes „Leguminosen-Präparat", sondern durch ihren Gesamtansatz — lebendiger Boden, Kompostwirtschaft, Präparatearbeit —, in den die Stickstoffbinder sich einfügen. Die Stickstoffbindung selbst ist dabei solide Biologie, kein biodynamisches Sonderwissen.
Häufige Fragen
Warum verbessern Leguminosen den Boden?
Weil sie über Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden und im Boden anreichern. Eingearbeitet steht dieser Stickstoff der Folgekultur zur Verfügung — ohne Zukauf.
Welche Leguminosen eignen sich als Gründüngung?
Klee, Luzerne, Wicken, Lupinen und Erbsen; je nach Ziel (schnelle Gründüngung, tiefe Lockerung, Futter oder Korn).
Brauchen Leguminosen Stickstoffdüngung?
Nein — sie versorgen sich über die Symbiose weitgehend selbst und reichern sogar an. Eine Stickstoffdüngung wäre kontraproduktiv.
Verwandte Begriffe & Artikel
- Hoforganismus
- Bodenfruchtbarkeit und Humusaufbau biodynamisch
- Kompost