Der Echte Baldrian (Valeriana officinalis) ist das sechste Kompostpräparat und trägt die Nummer 507. Er nimmt zweifach eine Sonderstellung ein: Er ist das einzige flüssige Kompostpräparat, und er wird nicht aus der Wurzel, sondern aus den Blüten gewonnen. Steiner ordnet ihm den Bezug zum Phosphor zu. Dieses Porträt ordnet Pflanze, Wirkbild und Anwendung ein.
Die Pflanze
Der Name Valeriana leitet sich vermutlich von valere („gesund sein“) ab. Als Heilpflanze ist der Baldrian für seine beruhigende, krampflösende Wirkung bekannt. Er wächst auf nassen, nährstoffreichen Böden, in lichten Wäldern sowie entlang von Bächen und Ufern. Für das Präparat werden die Blüten gesammelt.
Wirkbild: Phosphor und Wärme
Nach Steiner regt das Baldrianpräparat den Dünger dazu an, sich mit dem Phosphor zu beschäftigen — einem Element, das die Pflanze besonders in der Blüte braucht. Der Baldrianblütensaft unterstützt damit die Blütenbildung von Nutz- und Zierpflanzen. Über den Kompost gespritzt, legt sich das Präparat wie eine wärmende, schützende Hülle um den reifenden Haufen. Diese Wärmewirkung macht den Baldrian auch über den Kompost hinaus nützlich.
Herstellung: Saft statt Erdzyklus
Das Baldrianpräparat braucht keine tierische Hülle und durchläuft keinen Erdzyklus. Die Blüten werden gepresst — bei größeren Mengen in einer Kelter, bei kleinen mit Schraubzwinge und Brettchen; vorher lassen sie sich mit einem Fleischwolf oder Mörser zu Mus verarbeiten, damit der Saft besser austritt. Der Saft wird haltbar gemacht: durch milchsaure Gärung, eingeleitet mit etwas Molke oder abgetropfter Joghurtflüssigkeit, in einer Flasche mit Gärverschluss. Nach einigen Wochen wird der vergorene, dunkle Saft kühl und dunkel gelagert.
Anwendung: im Kompost und als Frostschutz
Im Kompost wird das Baldrianpräparat in warmem Wasser verdünnt über den reifenden Haufen gespritzt. Einzeln angewendet entfaltet es eine wärmende Wirkung, die in der Praxis als Frostschutz genutzt wird: Vor erwarteten Frostnächten am Abend bei Windstille auf Blüten und empfindliche Kulturen gespritzt, erhöht es die Widerstandskraft gegen Kälte. Dosierung und Timing dazu im Artikel Präparate im Frühjahr.
Häufige Fragen zum Baldrian 507
Was macht das Baldrianpräparat besonders?
Es ist das einzige flüssige Kompostpräparat, wird aus den Blüten gewonnen und braucht keine Reifung im Boden — nur Haltbarmachung durch milchsaure Gärung.
Wofür wird Baldrian außerhalb des Komposts genutzt?
Als Frostschutz: am Abend vor Frostnächten auf Blüten und empfindliche Kulturen gespritzt, um seine wärmende Wirkung zu nutzen.
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